Nachdem Manfred und ich am Vortag 1.300 Höhenmeter am Watzmann bewältigt hatten, steckte uns an diesem Morgen die Anstrengung noch spürbar in den Beinen. Angetrieben vom Glücksgefühl des Vortages, beschlossen wir dennoch einen weiteren Berg im Berchtesgadener Land zu besteigen.

Diesmal wählten wir den Hochkalter. Jenen Berg, der imposant über dem Hintersee thront. Um vom See aus an unser Ziel zu gelangen, gönnten wir uns weitere 1.000 Höhenmeter auf dieser wunderbaren RUCKSACKEN-Tour.

 

Der nördlichste Gletscher der Alpen

In 1.680 m Höhe befindet sich auf dem Hochkalter die Blaueishütte am Rande eines weitläufigen Kars. Am oberen Ende des Kars liegt eingebettet zwischen mächtigen Felswänden der Blaueisgletscher. Dabei handelt es sich um den nördlichsten Gletscher der Alpen. Leider unterliegt auch dieser erheblich dem Gletscherschwund und so findet man oberhalb der Blaueishütte nur noch ein vom Gletscher abgetrenntes Todeisfeld. Dessen Eismasse wird nur noch von den Schneefällen und ggf. Lawinenabgängen im Winter gebildet.

 

 

Riesige Felsbrocken sind stumme Zeugen eines zerstörerischen Bergsturzes.

 

Gewaltige Bergstürze lassen seit jeher das Umland erbeben.

Das 2.607 m hohe Hochkaltermassiv ist bekannt für seine teils heftigen Bergstürze. Bedingt durch seine geologischen Besonderheiten kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Zusammenbrüchen einzelner Bergregionen. Vor rund 3.500 Jahren bildete demnach ein gewaltiger Bergsturz den Aufstau für den türkisschimmernden Hintersee. Auch im 20. Jahrhundert ließen mehrere Bergstürze das Umland erbeben. Zahlreiche Felsbrocken – einige haushoch – sind die stummen Zeugen der Urgewalten, die den Berg zum Erschüttern bringen.

 

 

Blick aus dem Blaueiskar hinunter zum Hintersee

 

In dem Blaueiskar erlebt man heutzutage eine Stille, die nichts von den Gefahren erahnen lässt. Die umwerfende Aussicht hinunter zum Hintersee und hinauf zu den Gipfeln ist Balsam für die Seele. Nach 3 Stunden erholsamen Aufenthalt im Gelände rund um die (noch) geschlossene Blaueishütte begaben wir uns schließlich wieder auf den steilen Abstieg, vorbei an der Schärtenalm, hinunter zum farbenprächtigen Hintersee.