Die Watzmann-Ostwand ist mit rund 1.800 m die höchste Wand der Ostalpen. Sie ist eines der schönsten Geotope Bayerns, gleichwohl fanden an ihr bereits über 100 Menschen den Tod. Am Fuße der Watzmann-Ostwand befindet sich in ca. 900 m Höhe ganzjährig ein Firneisfeld, welches aufgrund seiner Gewölbeform als Eiskapelle Berühmtheit erlangte.



Eis, Geröll und Schmelzwasser befinden sich fortwährend im Fluss.

Einst war die Eiskapelle ein kleiner Gletscher doch längst wird das Firneisfeld nur noch aus Lawinen gespeist, die im Winter von der Ostwand ins Tal herabstürzen. Witterungsbedingt verändert die Eiskapelle ständig ihre Gestalt, wodurch sie auch jederzeit einsturzgefährdet ist. Schmelzwasser der Eiskapelle und Niederschlagswasser aus den Bergen ergießen sich über den Eisbach in den Königssee. Dabei trägt das Wasser große Mengen Geröll in den See ein. Dieses lagert sich seit Jahrtausenden fortwährend im Königssee ab. In ferner Zukunft wird das Geröll aus dem Eisbach den Königssee wahrscheinlich ein weiteres Mal teilen.


Das von Gletschern der Eiszeit geformte Tal unterhalb der Watzmann-Ostwand


Gemeinsam mit meinem Freund Manfred machte ich mich auf den Weg, die Eiskapelle zu erkunden. Dazu bestiegen wir in Schönau eines der überfüllten Passagierboote und fuhren nach Sankt Bartholomä auf die Halbinsel Hirschau. Dort angekommen, begaben wir uns zügig auf den Waldpfad, der hinaus aus dem Touristentrubel, hinein in die Wildnis führt.

Der Anblick der steilen Watzmann-Ostwand aus unmittelbarer Nähe ist schier atemberaubend. Inmitten unzähliger gewaltiger Felsen schlängelt sich der Eisbach auf seinem kurzen Weg zum Königssee. Die Stille im eiszeitlich geformten Tal wirkt idyllisch. Sie lässt kaum erahnen, welche Naturgewalt die Landschaft stetig prägt. Vielerorts findet man Spuren einer zerstörerischen Macht. Die gesamte Szenerie erweckte unsere Ehrfurcht.


Blick auf die untere Watzmann-Ostwand

Die Eiskapelle präsentiert sich geschlossen.

Aufgrund der starken Schneefälle im vergangenen Winter präsentierte sich uns die Eiskapelle an diesem Tag nicht in ihrer geöffneten Gewölbeform. Dies minderte unserer Begeisterung über die Erlebnisse jedoch nicht. Nach einem wunderbaren Aufenthalt am Fuße der Eiskapelle begaben wir uns auf die nächste Etappe unserer RUCKSACKEN-Tour mit dem Ziel: Röthbachfall.