Mitten im Nationalpark Kellerwald liegt eingebettet in einer waldreichen Berglandschaft der Edersee. Der bis 1914 fertiggestellte Stausee ist einer der 3 größten seiner Art in Deutschland. Bei Vollstau fasst der Edersee annähernd 200 Mio. m³ Wasser. Seine Wasseroberfläche erstreckt sich dann auf ca. 12 km². Hauptaufgabe des Edersees ist die Wasserversorgung von Weser und Mittellandkanal zur Aufrechterhaltung der dortigen Schifffahrt. Darüber hinaus wird der Stausee zur Stromgewinnung genutzt.

Der Edersee ist auch eine der beliebtesten Freizeitregionen in Nordhessen. Seine Anziehungskraft erstreckt sich über ganz Deutschland und reicht bis hin ins benachbarte Ausland. Der Tourismus ist wohl der bedeutendste Wirtschaftsfaktor im Kellerwald. Allerdings ist die Attraktivität des Edersees stark von dessen Wasserstand abhängig. Der extrem trockene Sommer 2018 ließ den Wasserstand auf nur noch 15 % des Fassungsvermögens sinken. Andrea und ich wollten erkunden, welche Auswirkungen dieser extreme Niedrigstand auf die Region hat.

Freiliegende Felsen verdeutlichen den tiefen Wasserstand im Edersee.

Spaziergang durch eine Mondlandschaft

Für unseren Ausflug wählten wir zunächst die Rehbachbucht nahe Hemfurth.  Wir waren erstaunt, wie leer der Edersee war. Noch nie haben wir bei anderen Ausflügen so wenig Wasser in dem bekannten Stausee vorgefunden. Der Weg hinunter bis an die Wasserkante war vergleichbar mit einem Spaziergang durch eine Mondlandschaft. Ob mit scharfkantigem Gestein übersät oder mit rissigem Schlammboden bedeckt, der Seeboden wirkte ein wenig befremdlich. Andernorts reckten sich saftig grüne Pflanzenbestände zum Himmel, wo sonst Fische auf Nahrungssuche gehen.

Waschbären gehen auf dem trockenen Grund des Edersees auf Nahrungssuche.

Blaualgen anstatt Segelboote

Ich erinnerte mich daran, wie ich einst quer durch die Rehbachbucht schwamm oder mit dem Tretboot weit über den See schipperte. An diesem Tag lag der Wasserstand jedoch geschätzt 25 m tiefer. Der Wind trieb einen faulig riechenden Teppich aus Blaualgen gegen die schroffen Felswände, sehr zum Leidwesen der wenigen Camper auf dem Campingplatz. Doch auch vor der fernen Staumauer trieb ein solcher Algenteppich.

Blaualgen verbreiten einen fauligen Geruch in der Rehbachbucht.

Nachdem wir einige Zeit am Seeufer verbrachten, beschlossen wir noch den hiesigen Wildpark zu besuchen. Dort gibt es zahlreiche einheimische Wildtiere zu bestaunen. Darunter befinden sich Arten, die bedauerlicherweise in Deutschland frei lebend kaum noch eine Heimat finden.

Durch den sinkenden Wasserstand gibt der Edersee allmählich immer mehr Ruinen frei. Dabei handelt es sich um Siedlungsreste untergegangener Orte aus der Zeit vor dem Bau der Staumauer. Leider neigte sich unser Ausflug dem Ende entgegen und so mussten wir die Besichtigung der Ruinen vertagen. Der Kellerwald ist ohnehin immer einen Besuch wert.