Wir können die Natur nicht schützen. Wir können es uns nur verdienen, unter ihrem Schutz zu leben.

Die Geschichte vom Rucksackerwaldputz

Immer wenn wir zu einer Abenteuertour aufbrechen, stoßen wir selbst an entlegenen Orten auf Abfälle. Das Spektrum reicht vom achtlos weggeworfenen Verpackungsmüll bis hin zu kriminell entsorgten Müllablagerungen. Schon immer hat uns die Vermüllung der Landschaft durch einige Mitmenschen verärgert. Wir empfinden solches Verhalten äußerst besorgniserregend.

Es war ein stürmischer Tag im Frühjahr. Der kalte Wind blies kräftig über das Land hinweg. Beim Spaziergang mit Paula sahen wir Styroporplatten und Plastikfolien im hohen Bogen über die Felder, in Richtung Wald fliegen. Die Materialien stammten allesamt aus dem angrenzenden Wohngebiet.

Am nächsten Tag machten wir einen Waldspaziergang. Dabei fanden wir die Plastikfolien weit verteilt im Gehölz hängen. Überall auf dem Waldboden lagen die zerbrochenen Styroporplatten herum. Uns war klar, dass diesen Abfall niemand einsammeln würde. Für uns Naturfreunde war der Zustand unakzeptabel. Hier sollte jemand Verantwortung übernehmen. Kurzum entschlossen wir uns, den Müll einzusammeln.

Noch am selben Tag kehrten wir mit Müllsäcken und Greifzangen zurück in den Wald. Dort sammelten wir das Styropor und die Folien ein. Den Abfall entsorgten wir schließlich in unseren privaten Mülltonnen. Dies war die Geburtsstunde vom Rucksackerwaldputz.

Aus einer spontanen Aktion wurde eine Passion

Es fühlte sich richtig gut an, einen Beitrag zum Schutze der Landschaft geleistet zu haben. Die Freude darüber war so groß, dass wir uns selbst eine ehrenamtliche Patenschaft für dieses Waldstück auferlegten. Seit dieser Zeit sammeln wir immer wieder großflächig den Abfall ein, entsorgen ihn selbst oder lassen größere Mengen vom Städtischen Bauhof abholen.

Auf diese Weise haben wir den Wald von einer beachtlichen Menge Abfall gesäubert. Aus einer spontanen Aktion im Sinne der Natur wurde der Rucksackerwaldputz für uns zu einer Passion. Mittlerweile haben wir unsere Säuberungsarbeiten auch auf andere Regionen ausgeweitet. Dabei erlebten wir schon einige Kuriositäten.

Dieser Einsatz stellte uns auf die Probe

Einen ganz besonderen Fall möchte ich an dieser Stelle schildern. In einer Facebook-Gruppe stießen wir auf Fotos von einer Müllablagerung nahe der Stadt Schotten im Vogelsberg. Was wir auf den Fotos erkannten, war schockierend. Die Empörung der Menschen war zu Recht sehr groß. Es wurde eifrig diskutiert allerdings machte niemand einen Vorschlag, was mit dem Müll geschehen solle. Kurzerhand beschlossen wir den Müll eigenhändig einzusammeln und einer ordentlichen Entsorgung zuzuführen. In dem Fall sollte das Ordnungsamt der Stadt Schotten die Abfuhr koordinieren. Ausgestattet mit Schutzhandschuhen, Greifzangen und Müllsäcken fuhren wir in den Vogelsberg.

Zielstrebig fanden wir das betroffene Waldstück und die angrenzende Viehwiese. Als wir aus dem Auto stiegen, verschlug uns ein ekelerregender Gestank den Atem. Zunächst verschafften wir uns einen Überblick über die Außmaße der Müllablagerung. Auf einer Fläche von rund 200 m² fanden wir stark verunreinigten Haushaltsmüll. Aus zahlreichenden Kunststoffverpackungen quoll verwesende Fleischmasse heraus. Tiernahrung, Medikamente und ein Kuscheltier lagen ebenfalls herum. Für die großflächige Verteilung bis in den Wald hinein, hatten vermutlich Wildschweine, Füchse und andere Wildtiere gesorgt.

Derartige Müllablagerungen haben mitunter schlimme Folgen. Wildtiere fressen von den verschmutzen Kunststoffverpackungen. Das kann einen Darmverschluss verursachen. Letzendlich können die Wildtiere daran qualvoll verenden. Mancherorts hatten die Landwirte mit der Heuernte begonnen. Nicht auszudenken, wenn Teile des verdreckten Mülls beim Pressen der Heuballen eingeschlossen und später an Rinder oder Pferde verfüttert worden wären. Der Müll musste also aus der Landschaft verschwinden!

Wir überwanden unseren Ekel und stopften den stinkenden Müll in insgesamt 5 Müllsäcke. Noch während wir säuberten, kam ein ortsansässiger Landwirt des Weges. Dem fiel unser Treiben auf und so kamen wir ins Gespräch. Freundlicherweise erklärte sich der Landwirt bereit, die Müllsäcke mitzunehmen, um sie in einem Abfallcontainer zu entsorgen. Zu guter Letzt gelang es uns, die Viehwiese und das Waldstück von dem Müll zu säubern.

RUCKSACKEN ruft zum Mitmachen auf!

Bedauerlicherweise gibt es Menschen, denen die Umwelt nichts bedeutet. Sie nutzen Feld und Wald als Müllhalde. Tiere und Pflanzen sind die Leittragenden. Viele Naturfreunde ärgern sich über den Müll in der Landschaft. Wir sind der Meinung, es ist sinnvoller den Müll einzusammeln, anstatt sich hilflos mit dem Zustand abzufinden. Indem wir öffentlich über den Rucksackerwaldputz berichten, zeigen wir den Menschen das es sehr wohl Alternativen zur Vermüllung gibt.

Also warum weiter ärgern? Mach auch Du mit beim Rucksackerwaldputz. Lasse uns gemeinsam den Müll wegräumen. Je mehr Menschen Verantwortung für die Zivilisationsabfälle übernehmen, desto sauberer und lebenswerter wird die Landschaft. Davon profitieren alle Lebewesen. Und vielleicht besinnt sich auch der ein oder andere Müllverursacher seines Vergehens gegenüber der Natur.

Fotogalerie:


Im Einsatz für eine müllfreie Landschaft

Tipps für Waldputzer:


Die Vorbereitung:

  • Umfangreiche Müllfunde immer beim zuständigen Ordnungsamt melden. Das geht ganz einfach z. B. mit der Handy-App von MÜLLweg. Das Ordnungsamt veranlasst die Beseitigung. Außerdem kann vielleicht noch ein Verursacher ermittelt werden.
  • Wenn Du sperrigen Müll selber abtransportieren willst, aber nicht weißt wohin damit, dann frage vorab bei der Stadtverwaltung nach. Meistens ist eine kostenlose Entsorgung beim städtischen Wertstoffhof möglich. Gleiches gilt, wenn Du eine Müllsammelaktion z. B. mit dem Verein planst.
  • In Deutschland ist das Befahren von Feld- und Waldwegen mit Kraftfahrzeugen verboten. Ausnahmen sind der Land- und Forstwirtschaft vorbehalten. Wenn Du das Befahren der Wege für notwendig erachtest, lasse dir vorab bei der Stadtverwaltung bzw. vom Waldeigentümer eine Sondergenehmigung ausstellen.

Oberstes Gebot: Eigenschutz

  • Achte beim Waldputz immer auf den Eigenschutz! Verletzungen im Zusammenhang mit Abfällen können bakterielle Infektionen hervorrufen. Verwende stets Schutzhandschuhe und stabile Greifzangen. Letztere sollten aus Metall gefertigt sein. Kunststoffzangen werden erfahrungsgemäß selbst schnell zu Müll.
  • Wenn Du einen Übeltäter beim Müllabladen ertappst, riskiere besser keine Auseinandersetzung. Diesen Menschen ist ihr Vergehen durchaus bewusst. Aggressivität zum Selbstschutz kann nicht ausgeschlossen werden. Wenn möglich, informiere besser die Polizei oder das Ordnungsamt. Du kannst auch Fotos machen oder dir ggf. das Nummernschild sowie weitere Fahrzeug- und Personendetails merken/notieren.

2019-11-23 – Autor: Frank Kaiser