Rundwanderung vom Rursee über die Dreiborner Hochfläche

Es war einer dieser typischen kalten Wintertage in der Nordeifel. Der Himmel war bedeckt und es blies ein frischer Wind. Der Regen vom Vortag war erfreulicherweise weitergezogen also brachen wir am Morgen zum RUCKSACKEN-Abenteuer auf.

Start und Ziel der Rundwanderung war Simmerath-Rurberg

Der kleine Ort liegt am Südrand des Rursees. Von dort aus folgten wir der Ausschilderung auf dem Wanderweg in Richtung Einruhr. Der Weg führte uns zunächst auf einen dichtbewaldeten Bergkamm. Dort bestaunten wir, wie schön sich der Obersee in die bewaldete Hügellandschaft einschmiegt. Der weitere Wanderweg schlängelt sich entlang des Obersees, vorbei an schroffen Felsen mit auffälligen Quarzeinlagerungen.

Der Biber lebt im Obersee

Bei einer kurzen Rast am Seeufer entdeckten wir mehrere Bäume, die abgenagt im Wasser lagen. Andere Bäume standen angenagt am Ufer und stellten für Wanderer eine Gefahr da. Anhand der Bissspuren konnten wir leicht erkennen, dass am Obersee der Biber zuhause ist.

Etappenziel 1: Einruhr

Es folgte noch ein gutes Stück Fußmarsch, bis wir in Einruhr unser erstes Etappenziel erreichten. In dem beschaulichen Ort ergießt sich die Erkensruhr in den südlichen Teil des Obersees.

Auf unserem Weg durch den Ortskern von Einruhr passierten wir die schöne Bruchsteinkirche. Wir gingen weiter, bis wir an einer Weggabelung ankamen. Dort durften wir uns entscheiden zwischen einer Umrundung des Obersees oder einer Verlängerung der Wegstrecke über die Dreiborner Hochfläche. Wir entschieden uns spontan für die Hochfläche.

Es folgte der wohl steilste Anstieg während unserer Tour. Unten im Tal lag beschaulich der Obersee. Wir schenkten ihm noch einen letzten Blick, bevor wir in den Wald einbogen. Kaum waren wir auf der Dreiborner Hochfläche angelangt, begrüßte uns der Himmel für einen Moment lang mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Die Dreiborner Hochfläche ist eine weitläufige Graslandschaft. Sie ist unterbrochen von einigen bewaldeten Abschnitten und dichten Gehölzen. Im Sommer blüht hier wunderschön der Ginster.

Die höchste Erhebung der Dreiborner Hochfläche reicht auf über 620 m NHN hinauf. Rund 3.000 Hektar der Gesamtfläche gehören zum Nationalpark Eifel. Noch heute findet man Relikte des 2. Weltkrieges. Doch die gesprengten Bunkerruinen bieten glücklicherweise nur noch Tieren wie z. B. Eidechsen und Fledermäusen Unterschlupf.

Nach dem Krieg wurde die Dreiborner Hochfläche vom britischen und belgischen Militär als Truppenübungsplatz genutzt. Dadurch blieb Zivilisten der Zugang fast 60 Jahre lang verwehrt. Die Natur nutzte diese Zeit und schuf beinahe ungestört einen einzigartigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Heute kann man die Dreiborner Hochfläche ausgiebig erwandern. Allerdings darf und sollte man die markierten Wanderwege nicht verlassen. Es droht immer noch Lebensgefahr aufgrund militärischer Altlasten und möglicher Blindgänger, die auch noch aus dem Beschuss der Bunkeranlagen während des Krieges stammen können.

Das Wetter kann auf der Dreiborner Hochfläche ziemlich unfreundlich sein. Uns blies an diesem Tag ein eisiger Wind ins Gesicht. Nur hin und wieder riss die Wolkendecke auf, um uns kurz mit ein wenig Sonnenschein zu erwärmen. Leicht fröstelnd galt es noch einige Kilometer Fußmarsch bis zur Wüstung Wollseifen zurückzulegen.

Wollseifen war einst eine kleine Ortschaft. Deren Bewohner mussten ihr Zuhause nach dem Krieg verlassen, denn die Briten integrierten den Ort kurzerhand in den Truppenübungsplatz. Später wurden dort noch zusätzlich Hausattrappen errichtet, um den Häuserkampf zu trainieren. Von den ursprünglichen Gebäuden Wollseifens blieben allerdings nur wenige Ruinen stehen.

Die ehemalige Dorfkirche St. Rochus ist eines dieser Bauwerke. Sie ist gegenwärtig ein Denkmal für die Vertriebenen. Noch heute treffen sich gelegentlich ehemalige Bewohner von Wollseifen zum Gottesdienst in der kleinen Kirche. Wir nutzten den Windschutz im Innern für eine wohlverdiente Brotzeit. Nach der Stärkung setzten wir unser RUCKSACKEN-Abenteuer fort.

Unser nächstes Etappenziel war die Urfttalsperre. Bis dorthin hatten wir noch einige Kilometer über die Dreiborner Hochfläche zurückzulegen. Wir wanderten auf geschlängeltem Pfad mit Blick auf die Burg Vogelsang in den Wald hinein. Wir gingen immer weiter hinunter bis wir die mächtige Staumauer der Urfttalsperre erreichten.

Die Urfttalsperre war einst Europas größtes Talsperrenbauwerk

Mit einer Höhe von 58,5 m und einer Länge von 226 m war die 1905 fertiggestellte Staumauer einst die größte Talsperre in ganz Europa. Da die Staumauer im Krieg zerstört werden sollte, entdeckten wir im umliegenden Wald zahlreiche große Bombentrichter. Einige dieser Krater haben sich im Laufe der Zeit mit Regenwasser gefüllt. Sie dienen im Frühjahr den Amphibien als Laichgewässer.

In Anbetracht des sich neigenden Tages begaben wir uns entlang des Obersees auf die letzten Kilometer unseres Rückweges. Als wir zu guter Letzt wieder in Rurberg ankamen, war es bereits dunkel geworden. 18,5 Kilometer sind wir gelaufen. Glücklich und voller schöner Eindrücke beendeten wir unser RUCKSACKEN-Abenteuer bei einem leckeren Abendessen in einem Bistro am Rursee.

Fotogalerie aus der Eifel:


Rursee und Dreiborner Hochfläche


Wissenswertes über den Nationalpark Eifel:

Der Nationalpark Eifel liegt in der Nordeifel nahe der deutsch/belgischen Grenze. Er wurde im Jahr 2004 als erster Nationalpark des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen gegründet. Über eine Fläche von rund 110 Quadratkilometern erstreckt sich der Nationalpark zwischen den Ortschaften Nideggen, Rurberg, Höfen sowie Heimbach und Gemünd. Der Nationalpark Eifel ist durchzogen mit einem Netz von gut ausgeschilderten Wanderwegen. Auf insgesamt 240 km kann man dort die Natur erleben und historische Bauwerke erkunden. Es gibt auch einen Wildnis-Trail, auf dem man in vier Etappen insgesamt 85 km durch den Nationalpark wandern kann.

Der noch junge Nationalpark Eifel ist bereits jetzt schon ein besonders artenreicher Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze. Bislang konnten über 10.000 verschiedene Arten nachgewiesen werden, wovon über 2.300 als bedrohte Arten in der Roten Liste geführt werden.

Weitere wissenswerte Informationen über den Nationalpark Eifel gibt es auf der Website der Nationalparkverwaltung unter: nationalpark-eifel.de

Landschaftliche Höhepunkte im Nationalpark Eifel und Umgebung:

  • Die weitläufige Offenlandschaft Dreiborner Hochfläche mit der Wüstung Wollseifen
  • Der dicht bewachsene Buchenmischwald Kermeter
  • Die Urfttalsperre unterhalb der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang
  • Der im 2. Weltkrieg stark umkämpfte Hürtgenwald
  • Der fjordähnliche Rurstausee mit dem Obersee
  • Das einzigartige Naturschutzgebiet und Hochmoor Hohes Venn