Dröhnende Panzer, Kanonendonner und ratternde Maschinengewehre prägten in Sachsen-Anhalt ein Ökosystem, welches zu den artenreichsten Deutschlands gehört. Von 1945 bis 1992 nutzten sowjetische Streitkräfte die Oranienbaumer Heide als unzugänglichen Truppenübungsplatz. Nach dem Ende der militärischen Nutzung wurde das Heidegebiet aufwendig von den Hinterlassenschaften der Armee gesäubert. Doch auch heute noch verbergen sich abseits der freigegebenen Wege gefährliche Kampfmittel und Munitionsteile.


Die Oranienbaumer Heide liegt im einstigen Urstromtal der Elbe


Beinahe 5 Jahrzehnte blieb die Oranienbaumer Heide weitestgehend sich selbst überlassen. Dadurch schuf die Natur auf rund 2.700 Hektar die urwüchsige Heimat für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen. Die Heidelandschaft liegt im einstigen Urstromtal der Elbe. Großflächige Sandablagerungen und Moränen eiszeitlicher Gletscher bilden die Basis für das wertvolle Ökosystem. Heute ist die Oranienbaumer Heide ein bedeutendes Naturschutzgebiet innerhalb des Biosphärenreservats Mittelelbe.


Tierische Landschaftspfleger im Wolfsrevier

Frei lebende Heckrinder und Konikpferde führen eine friedliche Koexistenz als Landschaftspfleger. Sie tragen dazu bei, dass die Heide nicht mit Gehölzen und standortfremden Gräsern zuwächst. Erfreulicherweise wurden in der Oranienbaumer Heide bereits mehrere Wölfe gesichtet. Diese dokumentierte Tatsache verleiht dem Ausflug in das Gebiet zusätzlich eine reizvolle Spannung.


Offene Heide, märchenhafte Mischwälder und eine außergewöhnliche Artenvielfalt

Andrea und ich hatten an diesem Tag das Glück, mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Universität Anhalt tief in das Heidegebiet hineinfahren zu dürfen. Weit abseits aller Verkehrswege ließen wir uns an einer Wegkreuzung in der Einsamkeit absetzen. In alle vier Himmelsrichtungen führten die Wege kilometerweit geradeaus. Offene Heide und märchenhafte Mischwälder wechselten sich dabei ab. Es war ein sehr warmer Tag, die Sonne brannte vom Himmel, Schatten war aber kaum zu finden. Unser Schweiß vermischte sich mit dem staubigen Sand des Weges. Nach 6 Stunden Fußmarsch kamen wir am vereinbarten Treffpunkt an.


Es war eine anstrengende Tour, wobei wir viele Tiere und Pflanzen entdecken konnten. Leider gelang es nicht, alle tierischen Begegnungen erfolgreich zu fotografieren. Die Wölfe blieben uns ebenso verwehrt. Irgendwo in den Weiten der Oranienbaumer Heide verbargen sich die scheuen Isegrims im Versteck. Dennoch, der Aufenthalt in ihrem Revier und die Begegnung mit den frei lebenden Heckrindern und Konikpferden war ein beeindruckendes Erlebnis. Wir bekamen eine Vorstellung davon, wie sich unsere frühen Vorfahren in den einstigen Tundren gefühlt haben könnten. Müde und glücklich beendeten wir am späten Nachmittag dieses wunderbare RUCKSACKEN-Abenteuer.