Waldputz

Schon immer hat uns die Vermüllung der Landschaft durch rücksichtslose Mitmenschen verärgert. Immer wieder stoßen wir während unserer Naturtouren auf achtlos weggeworfenen Verpackungsmüll oder sogar auf kriminell entsorgte Müllablagerungen. Letztere melden wir zwecks Strafverfolgung den zuständigen Ortnungsämtern, die ihrerseits auch die Abholung veranlassen.

Bei dieser Müllsammelaktion stand ich gleich doppelt unter tierischer Aufsicht. Hündin Paula und Kater Jamie trauten ihren Augen nicht. wieviel Müll die Menschen achtlos in die Natur werfen.

Die Idee vom RUCKSACKER-Waldputz

An einem stürmigen Tag im Frühjahr sahen wir Styroporplatten und Plastikfolien aus einem Neubaugebiet über die Felder, in Richtung Wald fliegen. Am nächsten Tag machten wir dort einen Spaziergang mit Hündin Paula. Die Plastikfolien hingen weit verteilt in den Büschen. Überall im Wald lagen die Einzelteile der zerbrochenen Styroporplatten herum. Wir waren uns sicher: Diesen Müll würde niemand vermissen, geschweige denn einsammeln. Leider ist es so, dass naturnahe Lebensräume schon genug unter der Menschheit leiden. Hier sollte jemand Verantwortung übernehmen. Unsere Überlegungen waren der Anstoß zum RUCKSACKER-Waldputz.

Andrea und ich entschieden uns dafür, den Müll aus dem Wald zu entfernen. Innerhalb von zwei Tagen sammelten wir alle Styroporstücke und Plastikfolien ein. Diese entsorgten wir über unsere privaten Mülltonnen. Anschließend weiteten wir unser Sammelgebiet großflächig aus. Im Laufe des Jahres räumten wir säckeweise Müll aus dem heimischen Wald. Regelmäßig befreien wir den Wald vom Müll zum Wohle der Tiere und Pflanzen. Aus Liebe zur Natur haben wir uns freiwillig eine Patenschaft für diesen Lebensraum auferlegt. Schließlich entwickelte sich aus der Idee vom RUCKSACKER-Waldputz ein Engagement für den Umweltschutz.

Unter einer stillgelegten Eisanbahnbrücke trug ich mit Paula diesen Müllhaufen zusammen. Da ich diese Menge nicht heimtragen konnte, informierte ich die Stadtverwaltung über den Fundort. Der Müll wurde wenig später abgeholt.
Beim morgendlichen Spaziergang mit Paula sah ich einige Getränketüten im Wald herumliegen. Diese wollte ich am Abend einsammeln. Was letztendlich dabei zusammenkam, füllte einen großen Beutel. Besonders ärgerlich waren unzählige Styroporstücke von einem liegengelassenen Hochsitz.
Die vielen Meldungen zur Vermüllung der Landschaft durch Ausflügler am 1. Mai inspirierten mich, aktiv zu werden. Wieder sammelte ich einen Sack voller Müll ein. Allerdings stammt der überwiegend aus der Land- und Forstwirtschaft. Ein kleiner Erfolg im Kampf für einen sauberen Lebensraum.
Das war eine weitere Kollektion der Abfälle ignoranter Mitmenschen. Darunter befinden sich u. a. ein Kanister BASF Pflanzenschutzmittel (Gift) und ein Kanister „Sägekettenhaftöl, umweltschonend“. Vermulich haben die Verschmutzer auch den einstigen Kanisterinhalt in die Landschaft eingebracht.
Die Mittagspause bietet Zeit für einen kurzen Spaziergang draußen in den Feldern. Spontan beschloss ich, etwas Müll einzusammeln. Binnen 40 Minuten stopfe ich 2 Tüten voll. Die Äcker waren gespickt mit Folienfetzen, die Wegesränder vermüllt mit Getränkebechern, Lebensmittelverpackungen und vollgeschissenen Taschentüchern sowie Plastik, Netze und Schnüre etc. Im Gebüsch lagerten Gartenabfälle, Bauschutt und sperriger Plastikmüll aus dem Haushalt. Ich konnte unmöglich alles einsammeln. Übrig bleibt viel Müll und die Frage: „Was stimmt nicht mit unserer Gesellschaft?“

Unglaublich, was ignorante Menschen in die Landschaft entsorgen

In den Sozialen Medien stießen wir auf Fotos von einer Müllablagerung nahe der Stadt Schotten im Vogelsberg. Was man auf den Fotos erkannte, war widerwärtig. Die Empörung der Menschen war zu Recht sehr groß. Allerdings machte niemand Vorschläge, wie man mit dem Müll verfahren könne. Kurzerhand beschlossen Andrea und ich den Müll eigenhändig einzusammeln. Die Stadtverwaltung sollte die Abfuhr übernehmen.

Ausgestattet mit Schutzhandschuhen, Greifzangen und Müllsäcken fuhren wir in den Vogelsberg. Schnell fanden wir das betroffene Waldstück und die angrenzende Wiese. Aus der Ferne sahen wir bereits erste Kunststoffverpackungen herumliegen. Als wir aus dem Auto stiegen, verschlug es uns den Atem. Ein ekelerregender Gestank von Verwesung lag in der Luft.

Zunächst erkundeten wir die Umgebung. Auf einer Fläche von rund 200 m² fanden wir stark verunreinigten Haushaltsmüll. Aus zahlreichenden Kunststoffverpackungen quoll verwesende Fleischmasse heraus. Tiernahrung, Medikamente und ein Kuscheltier lagen ebenfalls herum. Da hatte jemand über einen längeren Zeitraum seinen Hausmüll gesammelt und rücksichtslos im Wald abgeladen. Für die großflächige Verteilung der Abfälle hatten vermutlich Wildschweine, Füchse und andere Wildtiere gesorgt.

Folgenschwere Müllablagerungen

Solche Müllablagerungen haben durchaus schlimme Folgen. Die Wildtiere fressen von dem Müll. Daran können sie im schlimmsten Fall qualvoll verenden. Darüber hinaus verunreinigen Giftstoffe (z. B. Medikamente) den Boden. Mancherorts hatten die Landwirte mit der Heuernte begonnen. Nicht auszudenken, wenn Teile des Mülls beim Pressen in die Heuballen eingeschlossen und später als Tierfutter an Rinder oder Pferde verfüttert werden.

Der Müll musste also aus der Landschaft verschwinden! Wir überwanden unseren Ekel und stopften den stinkenden Müll in insgesamt 5 Säcke. Noch während unserer Arbeit kam ein ortsansässiger Landwirt des Weges. Dem fiel unser Treiben auf und so kamen wir ins Gespräch. Freundlicherweise erklärte sich der Landwirt bereit, die Müllsäcke mitzunehmen, um sie in einem Abfallcontainer ordnungsgemäß zu entsorgen. Zu guter Letzt gelang es uns, die Wiese und das Waldstück zu säubern.

Der Lohn für das Waldputzen

In den Sozialen Medien erfreuen wir uns am Lob über unsere Waldputzaktionen. Wichtiger ist uns allerdings, wenn wir möglichst viele Menschen zum Mitmachen motivieren können. Es genügt nicht, sich über die Vermüllung der Landschaft zu ärgern. Es ist sinnvoller, den Müll zu entfernen. Das fühlt sich weitaus besser an. Jeder kann eine freiwillige Patenschaft als Waldputzer übernehmen. Sucht Euch dazu einfach einen naturnahen Lebensraum in eurer Region aus. Befreit diesen regelmäßig vom Zivilisationsmüll. Je mehr Menschen Verantwortung übernehmen, desto sauberer und gesünder wird unsere Landschaft werden.

Tipps für Waldputzer

  • Die besten Monate für den Waldputz sind Februar, März uns April sowie der September. Da hat man die beste Sicht auf die Umgebung. Im Sommer verdeckt dichter Pflanzenbewuchs die Sicht. Im Spätherbst fällt das Laub und im Winter überdeckt der Schnee die Landschaft. Mitunter lässt sich Müll vom vereisten Boden nicht ablösen.

  • Achtet beim Waldputz immer auf den Eigenschutz. Verletzungen im Zusammenhang mit Abfällen können bakterielle Infektionen hervorrufen. Verwendet stets Schutzhandschuhe und stabile Greifzangen. Letztere sollten aus Metall gefertigt sein, da Kunststoffzangen schnell selbst zu Müll werden.

  • Umfangreiche Müllfunde immer beim zuständigen Ordnungsamt melden. Das geht ganz einfach z. B. via Mobiltelefon mit der App von MÜLLweg! Das Ordnungsamt veranlasst den Abtransport und kann vielleicht noch den Verursacher ermitteln.

  • Wenn Ihr sperrigen Müll selber abtransportieren wollt aber nicht wisst, wohin damit, dann fragt vorab bei der Stadtverwaltung nach. Meistens ist eine kostenlose Entsorgung beim städtischen Wertstoffhof möglich. Gleiches gilt, wenn Ihr eine private Müllsammelaktion z. B. mit dem Verein plant.

  • In der Regel ist in Deutschland das Befahren von Feld- und Waldwegen mit Kraftfahrzeugen verboten. Ausnahmen sind der Land- und Forstwirtschaft vorbehalten. Wenn Ihr das Befahren der Wege für notwendig erachtet, lasst Euch vorab bei der Stadtverwaltung und/oder dem Waldeigentümer eine Sondergenehmigung ausstellen.

  • Wenn Ihr einen Übeltäter beim Müllabladen erwischt, riskiert besser keine Auseinandersetzung. Denen ist ihr kriminelles Vergehen durchaus bewusst. Aggressivität zum Selbstschutz ist nicht selten. Informiert umgehend die Polizei, macht Fotos oder notiert das Nummernschild sowie weitere Fahrzeug- und Personendetails.