Mit dem Wohnmobil an die Wilde Isar

Kanäle, Schifffahrtsstraßen oder Abwasserströme, geprägt durch die Industrialisierung zeigen sich unsere Fließgewässer heutzutage in einem traurigen Bild. Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Wasser der Flüsse die Lebensgrundlage für die Menschen, die an ihren Ufern siedelten. Wie mögen die Flüsse wohl zu dieser Zeit ausgesehen haben? Gibt es in Deutschland noch naturbelassene Flüsse? Die Antworten auf diese Fragen fanden wir in Oberbayern an der Isar zwischen Wallgau und dem Sylvensteinsee bei Lenggries.

Sylvensteinspeicher mit dem Wasser der Isar

Sylvensteinspeicher mit dem Wasser der Isar

Sylvensteinsee bei Lenggries

Sylvensteinsee bei Lenggries

Einer der letzten Wildflüsse in Deutschland

Wir waren mit dem Wohnmobil auf der Deutschen Alpenstraße unterwegs. In Mittenwald machten wir einige Tage Zwischenstation für Exkursionen in naturnahe Lebensräume. Bei unseren Zielrecherchen stießen wir auf Informationen zur Wildflusslandschaft Isartal. Zwischen Wallgau und Vorderriß gäbe es entlang der Isar eine Verbindungsstraße mit einzigartigen Einblicken in eine natürliche Flusslandschaft. Das war doch genau das Richtige für drei Abenteurer. Kurzum begaben wir uns auf Erkundungstour in Richtung Wallgau.

Mit dem Wohnmobil in die Wildflusslandschaft Isartal

Wir hielten an der Schranke der Mautstelle, wo ein freundlicher Herr eine geringe Mautgebühr für die Nutzung der Verbindungsstraße kassierte. Er klärte uns darüber auf, was wir als Touristen zu beachten hätten. Es galt u.a. ein Parkverbot außerhalb der ausgewiesenen Parkplätze sowie ein Übernachtungsverbot auf allen Flächen. Das gesamte Gebiet musste bis 22:00 Uhr verlassen sein. Die Einhaltung der Bestimmungen würde von Rangern regelmäßig kontrolliert. Was sich für manche Touristen nach strengen Einschränkungen anhören mag, ergab für uns durchaus Sinn. Auf einer Länge von 16 km ist die Wildflusslandschaft Isartal Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind. Die Landschaft ist ein überregional wertvolles Naturschutzgebiet und zählt zu Bayerns schönsten Geotopen. Damit ist das Isartal bei gutem Wetter für viele Besucher ein beliebtes Ausflugsziel. Wir waren sehr gespannt darauf, was wir entdecken würden und setzten unsere Fahrt auf der waldgesäumten Mautstraße fort.

Nach einer Weile fuhren wir auf einen geschotterten Parkplatz. Außer uns parkte dort niemand. Für uns waren dies ideale Voraussetzungen, um mit allen Sinnen in die Landschaft einzutauchen. Nach kurzer Wegstrecke auf einem schmalen Trampelpfad offenbarte sich uns der Blick auf das wunderschöne Auengebiet der Isar. Die Natur formt hier eine Flusslandschaft, wie wir sie noch nie zuvor gesehen hatten. Eingefasst in sattgrüne Auenwälder eröffnete sich vor uns ein ausgedehntes Geröllfeld aus bunten Kieseln. In allen Größen lagen die Steine herum bis hin zum feinen Sandkorn. Entlang des gegenüberliegenden Ufers erhoben sich die Berge des Isarwinkels in den wolkenverhangenen Himmel. Ein leichter Wind schob Dunstschwaden vor sich her, wobei sie ständig neue Gebilde formten. Eine wohltuende Ruhe lag über der Landschaft und inmitten dieser Naturkulisse schlängelt sich die Isar leise dahinplätschernd.

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An diesem Augusttag präsentierte sich die Isar in prächtigen, türkisblauen Farben. Unterbrochen von Kiesbänken und stehenden Altwassern ergießt sich ihr kristallklares Wasser in der Hauptrinne und in zahlreichen Nebenarmen. In einigen tief ausgespülten Gumpen konnten wir stattliche Bachsaiblinge beobachten, die im kalten Wasser nahezu regungslos auf angespülte Beutetiere lauerten. An den Prallhängen des Ufers und auf einigen Kiesinseln gedeihen empfindliche Pionierpflanzen. Darüber hinaus brüten dort sehr seltene Vogelarten. Zu deren Schutz ist es verboten, die Kiesbänke ab Mitte April bis Ende Juli zu betreten.

Das gut getarnte Gelege des Flussregenpfeiffers ist im Flusskies schwer zu entdecken.

Ein Paradies, geformt durch die Kraft der Natur

1924 wurde am nahegelegenen Walchensee ein Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Obwohl ein großer Teil des Isarwassers zur Stromerzeugung in den Walchensee umgeleitet wird, besitzt die Isar nach wie vor die Fähigkeit, die Flusslandschaft dramatisch umzugestalten. Terrassentreppen im Flussbett, steil abfallende Prallhänge an den Ufern, entwurzelte Bäume und große Mengen Schwemmholz zeugen von der enormen Kraft des Isarwassers. Starkregenperioden oder eine rasche Schneeschmelze in den Bergen lässt die malerische Isar zu einem reißenden, trüben Fluss anschwellen. Dann transportieren die Wassermassen unvorstellbare Mengen Kies und Geröll flußabwärts, um sie andernorts wieder abzulagern. Ganze Baumbestände werden dabei niedergerissen. Durch derartige Ereignisse verlagert die Isar seit vielen Tausend Jahren immer wieder ihren Wasserlauf.

Nach der Erkundung des Isartals verließen wir zunächst die Mautstraße bei Vorderriß. Schließlich wollten wir uns auch den Sylvensteinsee anschauen. Dieser Stausee markiert das östliche Ende der Wildflusslandschaft Isartal. Auf der Fahrt zum Sylvensteinsee erlangten wir noch eine gute Aussicht auf einen besonders breiten Abschnitt der Flussaue. Einsetzender Regen verkürzte unseren Aufenthalt am Stausee und so fuhren wir nach kurzem Fotostopp über die Mautstraße zurück in Richtung Wallgau. Der Regenguss hatte sich mittlerweile zu einem Gewitter entwickelt. Dicke Regentropfen prasselten auf das Fahrzeugdach und die umliegenden Berge verstärkten das Donnergrollen durch die Schallreflexion. Ein weiterer Aufenthalt an der Isar schien uns unter diesen Bedingungen nicht empfehlenswert. So schenkte uns Mutter Natur die Gelegenheit für eine Tasse leckeren Kaffee im gemütlichen Wohnmobil. Dazu fuhren wir abermals auf einem kleinen Parkplatz.

Während wir das Gewitter über uns niedergehen ließen, klopfte es plötzlich an der Tür. Ein Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten verspürte das Bedürfnis, uns freundlich auf das nächtliche Aufenthaltsverbot hinzuweisen. Wir versprachen dem Ranger das Verbot einzuhalten, woraufhin sich der Herr zufrieden verabschiedete und in seinem Auto davonfuhr. Wir waren angenehm überrascht, dass man den Schutz dieser einzigartigen Landschaft sehr ernst nimmt. Zweifellos wäre ohne die Kontrollen eine Schädigung durch die Vielzahl der Besucher unabwendbar.

Symbolisch: Nicht mehr als einen Fußabdruck sollten wir Menschen auf unseren Ausflügen hinterlassen.

Freier Lauf der Naturgewalten

Auf der Rückfahrt über Wallgau nach Mittenwald konnten wir aus dem Fahrzeug heraus noch mehrmals einen Blick auf die Isar werfen. Wir waren erstaunt, in welch kurzer Zeit der Fluss sein Erscheinungsbild dramatisch veränderte. Der Gewitterregen hatte den Pegel deutlich angehoben. Vom türkisblauen Wasser war nichts mehr zu sehen. Sedimente färbten es nun zu einer milchig-trüben Brühe, welche sich ungehindert einen Weg durch das breite Flussbett bahnte.

Auch diesen romantischen See erkundeten wir auf unserer Isartour.

Am Ende des Tages fanden wir die Antworten auf unsere eingangsgestellten Fragen. Selbst die wunderschöne Wildflusslandschaft Isartal steht unter dem Einfluss der Menschen. Durch das Abzweigen von Isarwasser in den Walchensee haben die Menschen in die natürlichen Abläufe eingegriffen. Dennoch blieb der natürliche Charakter der Wildflusslandschaft erhalten. Wir haben nun eine Vorstellung davon, wie die Flussläufe in der Region zu Anbeginn der menschlichen Siedlungsgeschichte ausgesehen haben könnten. Für uns war die Erkundung des Isartals ein unvergleichliches Abenteuer mit herzergreifender Bewunderung für die Schönheit der Natur.

Wenn dein Geist in der Abgeschiedenheit der Wildflusslandschaft Ruhe findet, dann erfährst du das große Glück der Anspruchslosigkeit im Moment des Seins.

Mentor für eine naturnahe Lebensweise

Wer hier schreibt und erzählt

Frank Kaiser bringt Menschen in die Verbindung mit der Natur, wodurch sie ihr volles Potenzial entfalten, um belastende Lebenssituationen in neues Glück zu verwandeln.